
Nachhaltig bezahlen
Bargeld, Karte oder Kryptowährung – was ist wirklich besser?
Nachhaltigkeit beginnt oft im Alltag – beim Einkaufen, auf Reisen oder beim Bezahlen im Café. Doch was viele nicht wissen: Auch die Wahl des Zahlungsmittels hat eine ökologische Wirkung. Ist Bargeld nachhaltiger als Kartenzahlung? Wie hoch ist der Energieverbrauch digitaler Zahlungen? Und welche Rolle spielen neue Entwicklungen wie Kryptowährungen?
Wie nachhaltig ist Bargeld?
Bargeld wirkt auf den ersten Blick besonders „natürlich“. Schließlich ist es greifbar, sichtbar und funktioniert ohne Datenströme, die immer Energie kosten. Trotzdem verursacht auch Bargeld Umweltbelastungen.
1. Herstellung von Münzen und Banknoten
Für Münzen werden Metalle wie Kupfer oder Nickel benötigt; Banknoten bestehen meist aus Baumwollfasern oder Spezialkunststoffen. Produktion und Verarbeitung sind energieintensiv. Ein-Euro-Münzen beispielsweise bestehen aus einer Kupfer-Nickel-Legierung und durchlaufen aufwendige Prägeprozesse. Beschädigte Scheine müssen zudem regelmäßig ersetzt werden: Die Europäische Zentralbank vernichtet und ersetzt jährlich mehrere Milliarden Banknoten.
2. Transport und Logistik
Damit Bargeld verfügbar bleibt, wird es kontinuierlich transportiert – durch Werttransporter zwischen Banken, Handelsunternehmen und Geldautomaten. Besonders in dünn besiedelten Regionen sind die Transportwege lang. Diese Logistik verursacht CO₂-Emissionen. Der Transport und die Administration von Bargeld machen einen erheblichen Anteil der Gesamtemissionen des Bargeldsystems aus.
3. Geldautomaten-Infrastruktur
In Deutschland sind knapp 50.000 Geldautomaten in Betrieb. Jeder Automat benötigt im Dauerbetrieb nicht nur Strom für die eigentliche Funktion, sondern auch für Kühlung, Beleuchtung und Sicherheitssysteme. Hinzu kommen Wartung, IT-Systeme und Sicherheitsinfrastruktur. Allerdings ist die Zahl der Geldautomaten seit einigen Jahren rückläufig, da die Kartenzahlungen deutlich zunehmen.
Wie nachhaltig ist Kartenzahlung?
Kartenzahlungen wirken auf den ersten Blick klimafreundlicher, weil kein Bargeld gedruckt oder transportiert werden muss. Die Abwicklung erfolgt digital und meist in Sekunden. Doch auch hier lohnt sich ein genauer Blick.
1. Kartenherstellung
Bankkarten bestehen traditionell aus PVC-Kunststoff und wiegen durchschnittlich rund 5 Gramm. Laut der Europäischen Zentralbank (EZB) waren im ersten Halbjahr 2025 im Euroraum rund 880 Millionen Zahlungskarten im Umlauf – gut 12 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Da Karten alle drei bis fünf Jahre ausgetauscht werden müssen, entsteht erheblicher Materialverbrauch.
2. Nachhaltigere Kartenmaterialien
Einige Banken setzen mit nachhaltigen Kreditkarten inzwischen auf Alternativen wie recycelten Kunststoff oder biobasierte Materialien. Karten aus recyceltem PVC (rPVC) können den CO₂-Ausstoß bei der Herstellung laut dem Kartenproduzenten Giesecke+Devrient (G+D) um bis zu 65 Prozent senken. Ab 1. Januar 2028 müssen sogar alle neu produzierten Mastercard-Karten öko-zertifiziert sein. Auch Rücknahme- und Recyclingprogramme gewinnen an Bedeutung.
Gut zu wissen!
Bankkarten müssen nicht zwingend aus Kunststoff bestehen. Die UmweltBank setzt bei ihrer Kreditkarte auf eine Karte aus naturbelassenem Holz . Sie ist genauso alltagstauglich wie eine klassische Plastikkarte – und gleichzeitig besonders stabil.
Das Holz stammt aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern in der EU und der Schweiz. Nur die technischen Komponenten wie Chip und Magnetstreifen sind nicht biologisch abbaubar.
3. Rechenzentren und Zahlungsnetzwerke
Kartenzahlungen laufen über digitale Infrastrukturen. Rechenzentren benötigen Strom, ebenso Kommunikationsnetzwerke und Server. Wie klimafreundlich eine Zahlung ist, hängt stark vom Strommix ab. Laut einer Studie verbraucht Visa pro Transaktion 0,590 Wh, Mastercard 0,453 Wh. Beides ist eine recht effiziente Bilanz pro Vorgang.
4. Smartphone & Wearables
Kontaktloses Bezahlen mit dem Handy wird immer beliebter – laut Bundesbank hat es sich in Deutschland seit 2021 verdreifacht. Dabei fließen zusätzliche Umweltaspekte ein, etwa die Produktion elektronischer Geräte oder deren Lebensdauer. Längere Nutzungszyklen von Smartphones verbessern die Ökobilanz erheblich.
Was verursacht mehr CO₂ – Bargeld oder Karte?
Hier gibt es inzwischen konkrete Zahlen: Laut einer Studie aus dem Jahr 2024 verursacht eine Bargeldzahlung in Deutschland im Schnitt rund 18 Gramm CO₂-Äquivalente, eine Kartenzahlung hingegen nur etwa 3 Gramm – das Sechsfache zugunsten der Karte. Zum Vergleich: In Finnland fällt der Unterschied noch drastischer aus, weil die geringe Bevölkerungsdichte längere Transportwege für Bargeld bedeutet (51,8 g vs. 2,2 g).
Trotzdem relativieren Forschende: Im Verhältnis zum gesamten nationalen CO₂-Ausstoß machen sowohl das digitale Zahlungssystem als auch das Bargeldsystem nur einen Bruchteil aus.
Oft wird übersehen: Nicht das Zahlungsmittel allein entscheidet über die Umweltwirkung, sondern wie es genutzt wird. Viele kleine Bargeldabhebungen erhöhen den Transport- und Automatenaufwand; häufige Kleinstbeträge per Karte erhöhen den Energiebedarf digitaler Systeme. Nachhaltiges Bezahlen bedeutet daher auch: bewusst mit Geld umgehen.
Bitcoin allein verbraucht so viel Strom wie ganz Thailand
Ein weiteres Zahlungsmittel gewinnt zunehmend Aufmerksamkeit: Kryptowährungen wie Bitcoin. Hier ist die ökologische Bilanz besonders umstritten – und die Zahlen sehr interessant:
Bitcoin setzt auf das Verfahren „Proof of Work“: Computer weltweit lösen energieintensive Rechenaufgaben. Das Ergebnis: Das Bitcoin-Netzwerk verbraucht etwa 200 TWh Strom jährlich – mehr als viele europäische Länder. Eine einzige Bitcoin-Transaktion verbrauchte 2024 laut einer Studie der Universität Witten/Herdecke rund 950 kWh – das entspricht dem durchschnittlichen monatlichen Stromverbrauch eines deutschen Haushalts!
Der daraus resultierende CO₂-Ausstoß pro Transaktion liegt bei rund 740 kg – vergleichbar mit einer Autofahrt von Nürnberg bis nach Mumbai.*
Kryptowährungen: nachhaltig oder Energieproblem?
Gleichzeitig entstehen aber auch neue, viel nachhaltigere Technologien: Ethereum – die zweitgrößte Kryptowährung – hat 2022 auf „Proof of Stake“ umgestellt und damit laut einer Studie des Crypto Carbon Ratings Institute (CCRI) seinen Energieverbrauch um über 99,99 Prozent gesenkt.
Die jährlichen CO₂-Emissionen des Ethereum-Netzwerks fielen dadurch von rund 11 Millionen Tonnen auf nur noch 870 Tonnen. Das zeigt: Die Nachhaltigkeit digitaler Zahlungssysteme entwickelt sich dynamisch.
Mehr als CO₂: gesellschaftliche Aspekte
Nachhaltigkeit umfasst mehr als den reinen Energieverbrauch. Auch gesellschaftliche Fragen spielen eine wichtige Rolle.
Bargeld ermöglicht finanzielle Teilhabe – etwa für ältere Menschen oder in Regionen mit schwacher digitaler Infrastruktur. Es funktioniert unabhängig von Technik und gilt als krisenfestes Zahlungsmittel. Kein Zufall also, dass laut der Bundesbank-Studie 2023 noch immer rund 80 Prozent der Deutschen auch künftig mit Bargeld zahlen können wollen – selbst wenn sie bei freier Wahl eher zur Karte greifen.
Digitale Zahlungen können dagegen Prozesse vereinfachen, Kosten senken und Ressourcen effizienter nutzen. Der Trend ist klar: 2023 wurden in Deutschland nur noch rund die Hälfte aller Transaktionen an Ladenkassen mit Bargeld getätigt – mit 51 Prozent war es der niedrigste je gemessene Wert (Bundesbank, 2024). Gemessen am Umsatz führt die Debitkarte mit 32 Prozent, Bargeld folgt mit 26 Prozent.
Zukunft des Bezahlens: Wohin entwickelt sich das System?
Gleichzeitig entwickelt sich der Zahlungsverkehr rasant weiter: In vielen europäischen Ländern sinkt die Bargeldnutzung, Rechenzentren werden energieeffizienter und nachhaltigere Kartenmaterialien gewinnen an Bedeutung. Mobiles Bezahlen – mit Smartphone oder Smartwatch – hat sich in Deutschland seit 2021 verdreifacht. Auch das Bezahlen an der Supermarktkasse ohne extra Geldautomatenweg trägt zur Entlastung der Bargeldinfrastruktur bei.
Welche Zahlungsform langfristig die bessere Umweltbilanz hat, hängt deshalb stark von technologischen Fortschritten, politischen Rahmenbedingungen und dem Verhalten der Nutzenden ab.
Der digitale Euro kommt
Eines der spannendsten Zukunftsprojekte im europäischen Zahlungsverkehr ist der digitale Euro – ein rein softwarebasiertes Zahlungsmittel, das die EZB gemeinsam mit den nationalen Zentralbanken des Euroraums vorbereitet. Er soll kein Ersatz für Bargeld sein, sondern dessen digitales Pendant: staatlich abgesichert, kostenfrei nutzbar und überall im Euroraum einsetzbar. Pilottransaktionen sind ab Mitte 2027 bereits geplant.
Fazit: Nachhaltig bezahlen heißt bewusst bezahlen
Eine einfache Antwort gibt es nicht. Weder Bargeld noch Kartenzahlung oder Kryptowährungen sind automatisch nachhaltig oder klimaschädlich. Die Zahlen geben jedoch eine Orientierung: Kartenzahlung ist pro Transaktion deutlich emissionsärmer als Bargeld – beim Proof-of-Work-Bitcoin hingegen ist die Bilanz verheerend, während neuere Ansätze wie Proof of Stake enorme Fortschritte zeigen.
Entscheidend sind:
- Effizienz der Systeme
- Energiequellen
- Individuelle Nutzung
- Technologische Entwicklung
Wer nachhaltig handeln möchte, sollte daher nicht nur auf das Zahlungsmittel achten – sondern vor allem auf das eigene Konsumverhalten.
Denn die größte Wirkung entsteht oft nicht beim Bezahlen selbst, sondern bei der Frage: Wofür geben wir unser Geld aus?
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