Frugalismus
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Frugalismus

Sparen für die finanzielle Freiheit

Bescheiden leben und großzügig investieren. So könnte man den Frugalismus verkürzt zusammenfassen. Doch hinter dieser Strategie steckt noch mehr: Frugalistinnen und Frugalisten verfolgen das Ziel, möglichst früh finanziell frei zu sein, also nicht mehr arbeiten zu müssen. Wie funktioniert das? Kann man sich wirklich reich sparen?

Bargeld Hände

Was ist Frugalismus eigentlich?

Ausgaben und Einnahmen sind die beiden Pole, die die wirtschaftliche Situation von Personen, Haushalten, Unternehmen und sogar Staaten beeinflussen. Wollen Sie sparen, müssen Sie weniger ausgeben, als Sie einnehmen. Wenn das nicht gelingt, gibt es zwei Möglichkeiten: Einnahmen hoch oder Ausgaben runter. Idealerweise beides.

Frugalist:innen achten besonders darauf, ihre Ausgaben zu minimieren. Sie leisten sich also deutlich weniger als sie könnten und geben so wenig Geld wie möglich aus. Damit erzielen sie mitunter eine Sparrate von 70 bis 80 Prozent ihrer Einnahmen. Dafür führen sie ein eher bescheidenes Leben und investieren das Geld, das übrigbleibt, stringent in Immobilien, Aktien und Fonds. Ihr Ziel: In absehbarer Zeit von ihren Ersparnissen leben zu können, also finanziell frei zu sein.

Der Zeitpunkt der gewünschten finanziellen Freiheit ist abhängig davon, wann Frugalist:innen mit dem Vermögensaufbau beginnen und wie viel sie monatlich investieren können. Wer sehr früh beginnt und seine Fixkosten wie die Miete bei einem guten Einkommen lange Zeit sehr niedrig hält, hat das Ziel entsprechend früher erreicht.

Wie kann man finanzielle Freiheit planen?

Eine Faustregel besagt, dass der Zeitpunkt der finanziellen Freiheit erreicht ist, wenn Sie das 25-Fache des Jahresbedarfs auf der hohen Kante liegen haben. Dann ist es möglich, aus den Zinserträgen und Dividenden leben zu können - sofern das Geld gut angelegt ist. Die finanzielle Freiheit lässt sich also errechnen: 

  • In einem ersten Schritt sollten Sie die eigenen Ausgaben überprüfen und so gut es geht senken. Tipp: Ein Haushaltsbuch ist dafür eine gute Hilfe.
  • Nach ein paar Testmonaten sollten Sie das Monatsbudget realistisch beziffern. Notfälle und Sonderausgaben dürfen in der Kalkulation nicht fehlen. Auch zukünftige Lebensumstände wie die Geburt eines Kindes oder sich ändernde Bedürfnisse im Alter gehören in die Planung.
  • Stehen die reduzierten notwendigen Ausgaben fest, können Sie sowohl den Jahresbedarf als auch die maximale Sparrate errechnen.
  • Auf dieser Basis lässt sich ausrechnen, wann das Vermögen ausreicht, um bei den aktuellen Ausgaben ohne weitere Einkünfte leben zu können. Dabei sollten Sie die Rendite auf das angesparte Vermögen jedoch mit maximal 4-5 Prozent konservativ beziffern.

Wie lassen sich Ausgaben reduzieren?

Es gibt fast immer Potenzial, weniger Geld auszugeben. Typische Fallen sind zum Beispiel:

  • Mobilität: Ein eigenes Auto verursacht vergleichsweise hohe Kosten. Mit Carsharing-Modellen, dem Umstieg auf ÖPNV oder das Fahrrad sparen Sie nicht nur Geld, sondern auch noch CO2.
  • Essen: Nur ein To-Go-Kaffee pro Werktag schlägt mit etwa 80 Euro im Monat zu Buche. Essen und Trinken in Restaurants, Kneipen und Imbissen ist stets deutlich teurer, als sich selbst etwas zuzubereiten.
  • Verträge: Bei Telefon, Strom, Handy und Versicherungen gibt es durch einen Wechsel oft Sparpotenzial. Manche Versicherung ist mittlerweile vielleicht völlig überflüssig.
  • Wohnen: In vielen deutschen Städten ist das Wohnen enorm teuer geworden. Der Umzug in ein Randgebiet oder eine kleinere Stadt kann monatlich einige Hundert Euro Sparpotenzial bescheren. Das Leben in einer WG ist nicht jedermanns Sache, aber vielleicht tut es eine kleinere Wohnung auch.

 

Sparsam leben, ein Leben lang

Ist die finanzielle Freiheit erreicht, behalten Frugalist:innen immer noch einen bescheidenen Lebenswandel bei. Dafür können sie über ihre Zeit uneingeschränkt bestimmen. Manche Frugalist:innen entscheiden sich trotz finanzieller Unabhängigkeit, ab und an Aufträge und Jobs anzunehmen. Damit können sie ihre Rücklagen etwas schonen. 

Da sie auf das Einkommen nicht angewiesen sind, können sie über Dauer, Ort und Stundenzahl frei bestimmen: Sie können aus einem Hobby eine überschaubare Selbstständigkeit machen, in Teilzeit oder im Ausland arbeiten – und einen Job jederzeit wieder an den Nagel hängen.

Finanzkrise als Geburtshelferin

Das Konzept des Frugalismus fußt auf der FIRE-Bewegung aus den USA. Die Abkürzung steht für „Financial Independence, Retire Early“ (deutsch: Finanzielle Unabhängigkeit, frühe Rente). Damit beschreibt sie den beabsichtigten Abschied aus dem Hamsterrad recht gut. Entstanden ist die FIRE-Bewegung in den Jahren der Finanzkrise, insbesondere im Jahr 2007. Die Menschen in den USA und natürlich auch in vielen anderen Ländern waren gezwungen, den Gürtel etwas enger zu schnallen. So entstand die Idee, durch einen reduzierten Ausgabenapparat mehr Spielraum für finanzielle Rücklagen zu schaffen.

Frugalismus light für den Alltag

Auch wenn Sie nicht frugal leben oder besonders früh in Rente gehen möchten, kann eine leichte Variante des Frugalismus für Sie infrage kommen. Denn durch reduzierte und bewusst gewählte Ausgaben werden Finanzmittel frei, die Sie beispielsweise für einen besonderen Wunsch einsetzen können. 

Oder Sie legen das Geld an, wie es die Frugalist:innen tun, um sich damit eine Zusatzrente anzusparen. Mit einer grünen Geldanlage investiert man das Geld dazu in eine klimafreundliche Zukunft. Über weniger Konsum freut sich die Umwelt sowieso, denn Konsum ist nahezu immer mit Ressourcenverbrauch und CO2-Ausstoß verbunden.

FAQ zu Frugalismus

Frugalismus ist eine Strategie, bei der Menschen ihre Ausgaben stark reduzieren und den Großteil ihres Einkommens (oft 70-80 %) investieren, um möglichst früh finanziell unabhängig zu sein und nicht mehr arbeiten zu müssen.

Als Faustregel gilt: Man ist finanziell frei, wenn man das 25-Fache seines Jahresbedarfs angespart hat. Dann kann man theoretisch von den Zinserträgen und Dividenden bei einer konservativ geschätzten Rendite von 4-5 % leben.

Die größten Sparpotenziale liegen bei Mobilität (Auto vs. ÖPNV/Fahrrad), Wohnen (Umzug in günstigere Gegenden, kleinere Wohnung), Essen (selbst kochen statt auswärts essen) und Verträgen (Versicherungen, Strom, Telefon wechseln).

Frugalisten fokussieren sich primär auf Vermögensaufbau für finanzielle Freiheit, während Minimalisten vor allem Ballast vermeiden und sich auf das Wesentliche konzentrieren wollen. Beide Ansätze reduzieren aber unnötigen Konsum.

Ja, Frugalisten behalten ihren bescheidenen Lebensstil bei, um weiterhin von ihren Ersparnissen leben zu können. Sie gewinnen dafür aber volle Kontrolle über ihre Zeit und können frei entscheiden, ob und wie viel sie arbeiten möchten.

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