Weingut Brüder Dr. Becker

Nachhaltiger Weinbau, nachhaltige Partnerschaft

25 Kilometer südlich von Mainz, mitten im rheinland-pfälzischen Weinbaugebiet Rheinhessen, liegt der Ort Ludwigshöhe und ein besonderes Weingut. Das Weingut Brüder Dr. Becker zählt zu den angesehensten in Rheinhessen, dem größten Anbaugebiet Deutschlands, und gehört seit rund 40 Jahren dem VDP (Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter) an. Seit über 30 Jahren ist es Mitglied bei ECOVIN (Bundesverband ökologischer Weinbau) und lässt seine Weine Demeter zertifizieren. Ein Porträt.

Das Gehöft des Weinguts Brüder Dr. Becker steht in der Mainzer Straße 3-7. Es ist ein Vierseithof, der um 1830 vom Maurermeister Franz Becker errichtet wurde. Das Haupthaus ist ein inzwischen denkmalgeschützter Walmdachbau. Der Gründervater der Winzer-Dynastie hatte mit Wein aber noch nichts im Sinn. Er betrieb dort eine kleine Landwirtschaft.

Das Weingut Brüder Dr. Becker wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts von seinen Söhnen, dem Rechtsanwalt Dr. Johann und dem Arzt Dr. Jakob Becker, gegründet. Sie legten ihre Erbteile zusammen und betrieben fortan Weinbau – im Nebenerwerb. Das Weingut wurde an die folgenden Generationen über Mutter und Tochter vererbt. Heute wird der Betrieb in fünfter Generation von Lotte Pfeffer-Müller und von ihrem Mann Hans Müller geführt, die Söhne Tillmann und Lorenz unterstützen die Arbeit.

Mitgliedschaft in Verbänden

In den 70er Jahren haben die Eltern von Lotte Pfeffer-Müller entschieden, sich hauptberuflich dem Weinbau zu widmen und sind dem VDP beigetreten. Die Mitglieder, heute rund 200 deutsche Spitzenweingüter, bekennen sich zu verbindlichen Qualitätsstandards im Weinbau.

Mitte der 80er Jahre hat das Ehepaar Pfeffer-Müller den Betrieb übernommen und konsequent auf ökologischen Weinbau umgestellt. Das Weingut gehört zu den Gründungsmitgliedern des Bundesverbandes ökologisch arbeitender Weingüter in Deutschland, kurz ECOVIN. Seit sieben Jahren führt Lotte Pfeffer-Müller den Verband als Vorsitzende.

2008 hat sich das Weingut dem Demeter-Verband angeschlossen und arbeitet nach den Vorgaben des bio-dynamischen Weinbaus; Vorgaben, die strenger sind als die Richtlinien der EU-Öko-Verordnung. Warum ? Für Di-plom-Winzerin Lotte-Pfeffer-Müller liegt die Antwort klar auf der Hand: „Die Ökologie, die Qualität im Boden und die Erzeugung von Spitzenweinen gehört für uns zusammen.“

Die Philosophie 

Ein Blick in die Weinberge verrät, wie groß der Unterschied zu konventionellen Betrieben ist. Wo die Rebstöcke sonst in Reih und Glied auf „unkrautfreiem“ Boden stehen, sind die Hänge der Familie Pfeffer-Müller grün. Zwischen den Rebstockreihen wachsen Gräser und Kräuter. Gedüngt wird mit Kompost und Pferdemist. Gesteinsmehle stärken die Fruchtbarkeit der Böden und so auch die Widerstandskraft der Reben. Nützlinge siedeln sich an und helfen, den Schädlingsbefall zu regulieren. Mit biologisch-dynamischen Präparaten wird das Verhältnis von organischem Leben und mineralischen Bestandteilen im Boden optimiert. „So fördern wir das gleichmäßige und harmonische Wachstum der Reben“, erklärt Hans Müller. Der Weinbautechniker pflegt die Reben im Weinberg.

Das Weingut 

Das Weingut Brüder Dr. Becker baut auf über zwölf Hektar Wein an. Der Betrieb bewirtschaftet ausschließlich Lagen rund um die Gemeinde Ludwigshöhe. Ein Großteil der Fläche liegt in den sonnigen Rheinterrassen. Die Rheinterrasse zwischen Nackenheim und Oppenheim gilt als Hochburg der elegantesten deutschen Rieslingsorten. Südlich von Oppenheim dominieren Silvaner und Weißburgunder. Die Rheinterrassen bestehen hauptsächlich aus Lößböden, zum Teil stark durchsetzt von Kalkstein. In der Rheinebene dagegen findet sich meist sandiger Lehm als Untergrund. „Mit dem biologischen Weinbau fördern wir den Dialog der Reben mit dem Boden“, erklärt die Bio-Winzerin. Die Reben nehmen standorttypische Mineralien auf. „So entstehen Terroirweine“, verrät sie.

Die Reben

Die Leitrebsorte des Weinguts Brüder Dr. Becker ist mit 40 Prozent der Anbaufläche der Riesling. Mit 20 Prozent ist auch der für Rheinhessen typische Silvaner vertreten. Weitere Sorten im Weißweinbereich sind Müller-Thurgau, Gewürztraminer und weiße Burgundervarietäten (Weißburgunder, Grauburgunder). Nicht zu vergessen die Scheurebe: Die „älteste” Neuzüchtung und Spezialität Rheinhessens wächst auf den Sandböden der Rheinebene. Die Rotweine Spätburgunder und Regent hat Hans Müller sozusagen in die Ehe eingebracht. „Mein Mann kommt aus Baden-Württemberg und er braucht seinen Rotwein“, erzählt Lotte Pfeffer-Müller und schmunzelt.

Die Weinbereitung

Im Beckerschen Weingut werden die Weine im Herbst noch immer schonend von Hand gelesen. Eine eigene Wetterstation erleichtert der Familie den optimalen Zeitpunkt für die Arbeit im Weinberg zu finden.

Den Feinschliff erhalten die edlen Tropfen dann in den alten Gewölbekellern. Die temperaturkontrollierte Gärung und eine lange Gärdauer fördern die Entwicklung des rebsortentypischen Buketts. Die Entwicklungszeit in den Fässern ist je nach Weintyp unterschiedlich lange. Leichte Sommerweine werden in großen Edelstahltanks, die schweren Burgunderweine und hochwertigen Rieslinge in traditionellen Holzfässern ausgebaut. Der Spätburgunder reift im kleinen Barrique. Entscheidend für die Weinbereitung ist im Hause Brüder Dr. Becker der Zeitfaktor: Man nimmt sich viel Zeit für eine natürliche Reifung. Das beginnt mit der schonenden Verarbeitung, geht weiter mit einem langen Hefelager und ermöglicht selbst einfachen Weinen eine mindestens sechsmonatige Reifung. Hochwertige Sorten reifen mindestens ein Jahr. Rund 80.000 Flaschen werden im Jahr abgefüllt.

Zahlreiche Auszeichnungen 

Der Erfolg gibt der Familie Recht. 2014 gewannen sie allein beim Internationalen Bioweinpreis fünf Mal Gold für Ortsweine, Gutsweine und Großes Gewächs und einmal Silber. „Von der ersten Ausgabe an wurden unsere Weine in den namhaften Weinführern ausgezeichnet, Gault Millau, Feinschmecker und Eichelmann“, freut sich Lotte Pfeffer-Müller. Sie kümmert sich schwerpunktmäßig um die Vermarktung der Weine. Seit mehr als 30 Jahren verkauft die Winzerfamilie in Länder wie die Niederlande, Belgien, Dänemark und Frankreich. Sogar in den USA sind die Brüder Dr. Becker-Weine inzwischen bekannt.

Aktionärin der ersten Stunde

Mit der UmweltBank ist die Familie Pfeffer-Müller seit langem eng verbunden. Als Aktionärin der ersten Stunde ist sie seit 1995 Kundin. Im vergangenen Jahr kaufte die Familie mit Unterstützung der UmweltBank rund 8,8 Hektar Anbaufläche eines benachbarten insolventen Winzers auf. 0,5 Hektar Grund haben die Bio-Winzer ökologisch aufbereitet und in ihre Anbaufläche integriert. Die Pfeffer-Müllers halfen den Nachbarn, indem sie die restliche Fläche an sie zurückverpachteten. Das Gut arbeitet jetzt unter neuer Führung als Familienbetrieb weiter. „Gerne unterstützen wir auch bei der Umstellung der gesamten Fläche auf Demeter-Richtlinien“, verspricht Lotte Pfeffer-Müller. (hai) 

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