Photovoltaikanlage in Freudenthal

Solarstrom und glückliche Freilandhühner

Der Agrar-Ingenieur Maximilian Weiland hat sich mit einem ungewöhnlichen Vorhaben an die UmweltBank gewandt. Er wollte Legehennen auf einer ausreichend großen Grünfläche artgerecht halten und dabei gleichzeitig umweltfreundlichen Solarstrom erzeugen. Die Idee der „Photovoltaik-Freilandhühnerhaltung“ war geboren.

Visionär der Öko-Landwirtschaft

Maximilian Weiland ist ein Pionier und Visionär im Bereich der ökologischen Landwirtschaft. Bereits im Jahre 2003 wurde der Bio-Bauer aus der nordhessischen Kleinstadt Witzenhausen bei Kassel mit dem „Förderpreis Ökologischer Landbau“ ausgezeichnet. Den Preis erhielt er vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft zusammen mit seiner Frau Iris für die Entwicklung des sogenannten HühnerMobils.

Das HühnerMobil – ein beweglicher Stall – kann dank seiner geschlossenen Bodenplatten und der guten Bereifung mittels Anhänger jederzeit auf die nächste grüne Wiese versetzt werden und ermöglicht somit eine vollmobile Hühnerhaltung im Freiland. Das regelmäßige Umsetzen des Stalles ist in vielerlei Hinsicht positiv: für die Gesundheit der Tiere, den Umweltschutz und vor allem für die Ei-Qualität.
Während Iris Weiland den weiteren Vertrieb des HühnerMobils übernahm, widmete sich Maximilian Weiland der Fortentwicklung dieses Projektes.

Bei seinem neuen Vorhaben, die von der UmweltBank finanzierte „Photovoltaik-Freilandhühnerhaltung“, steht wie bei den mobilen Hühnerställen vor allem die artgerechte Tierhaltung im Mittelpunkt – diesmal zusätzlich kombiniert mit der Produktion von umweltfreundlichem Solarstrom. Sofort begeistert von dieser Idee war auch Klaus Anduschus, der neue Geschäftspartner des Bio-Bauern, der sich um den laufenden Betrieb sowie die Buchführung der neuen Unternehmung kümmert.

Artgerechte Hühnerhaltung

Die neuentwickelte Freilandhühnerhaltung der beiden Agrar-Ingenieure erstreckt sich über eine Grünfläche von insgesamt 1,5 Hektar und bietet damit reichlich Platz für derzeit 500 bis zukünftig maximal 1.500 Hühner. Jedem Huhn stehen mindestens zehn Quadratmeter Auslauf zur Verfügung – deutlich mehr als die gesetzlich vorgeschriebenen vier Quadratmeter pro Freilandhuhn.

Die Hühner sind den ganzen Tag beschäftigt: Sie genießen die frische Luft, laufen immer wieder aus dem Stall auf die Wiese und zurück, pflegen ihr Gefieder und können zudem staub- und sonnenbaden sowie picken und scharren soviel sie wollen.

Natürlich gehören auch Hähne zur Hühnergruppe. Ein Hahn bringt sehr viel Ruhe in das Sozialleben der Gruppe und schlichtet beispielsweise Streitigkeiten unter den Hennen. Zudem bewacht und beschützt er die Hennen: so gibt er Warnlaute von sich, wenn sich ein Greifvogel nähert.

Intakte Grünflächen

In den meisten traditionellen Hühnerhaltungen wird die Bewegungsfreiheit der Tiere stark eingeschränkt, um zu vermeiden, dass sich um den Stall herum eine vegetationslose, schlammige und infektiöse Fläche bildet. Das passiert vor allem dann, wenn zu viele Hühner auf zu wenig Platz gehalten werden.

Durch den großzügigen Auslauf der neuen ökologischen Freilandhühnerhaltung wird hingegen gewährleistet, dass die Grasnarbe erhalten bleibt und die Grünfläche nicht verschlammt. Damit wird das Krankheitsrisiko, das in der Massentierhaltung extrem hoch ist, deutlich reduziert. Zudem kann durch eine ausreichende Beschäftigung der Tiere verhindert werden, dass die Hühner ihren Scharr- und Picktrieb aus Langeweile an ihren Artgenossen ausleben.

Schutz findet das Federvieh unter den Dächern von 15 jederzeit frei zugänglichen Stalleinheiten für jeweils 100 Hühner. Die Ställe bestehen aus langlebigen, unbehandelten Robinienholz und bieten reichlich Sitzstangen, viel Licht sowie eine gute Belüftung. Genügend Scharrfläche sowie ein reichhaltiges Futterangebot sind ebenfalls vorhanden. Die Hühner haben somit alles, um sich rundum wohl zu fühlen.

„Wenn die Grünfläche interessant ist, dann ist der Stall am Tag fast leer. Wo nachts die Hühner auf den Stangen sitzen und schlafen, befinden sich tagsüber nur einzelne Hühner, die auf dem Weg in das oder aus dem erhöhten Nest sind.“, berichtet Maximilian Weiland.

Das Ergebnis sind schmackhafte Bio-Eier von gesunden und vitalen Hühnern. Die ökologische Qualität wird dabei regelmäßig nach den strengen Vorschriften des Bioland-Anbauverbands überprüft. Zusätzlich werden sämtliche Anforderungen des sogenannten Tiergerechtigkeitsindex TGI erfüllt – ein Bewertungssystem zur Beurteilung der Artgerechtigkeit von Tierhaltungen.

Solaranlagen auf Stalldächern

Um die Mehrkosten gegenüber einer „normalen“ Hühnerhaltung ausgleichen und die Bio-Eier zu marktgerechten Preisen anbieten zu können, kam den Bio-Bauern die Idee der Errichtung und Installation von Photovoltaikanlagen auf den Stalldächern. Mit den dadurch erwirtschafteten Erträgen können die erhöhten Kosten der biologischen Tierhaltung kompensiert werden. „Weniger Hühner auf viel mehr Platz! Wirtschaftlich durch Solar“, so beschreiben die beiden Solar-Unternehmer ihr neues Konzept.

Die Finanzierung der Idee war zunächst schwieriger als gedacht. Nachdem sich Maximilian Weiland mit keiner regionalen Bank einig wurde, wandte er sich an die UmweltBank. Die Kombination aus Solarstrom und artgerechter Hühnerhaltung hat die grüne Bank aufgrund ihrer Nachhaltigkeit sofort überzeugt. Dies war der Startschuss für die „Photovoltaik-Freilandhühnerhaltung“.

Installierte Leistung von 478 kWp

Auf den Dächern der Hühnerställe wurden über 2.000 kristalline Solarmodule der Firma Trina Solar installiert. Bei optimaler Sonneneinstrahlung erzeugen diese pro Jahr 440.000 Kilowattstunden umweltfreundlichen Strom. Mit einer Modulfläche von 3.245 m2 zählt die Anlage damit zu den größeren Anlagen in der Region. Jährlich können ca. 125 Haushalte mit einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 3.500 Kilowattstunden mit Solarstrom versorgt werden. Für die Umwandlung des von den Solarmodulen erzeugten Gleichstroms in netzkonformen Wechselstrom kommen Wechselrichter des deutschen Herstellers SMA Solar Technology AG zum Einsatz.

„Die Anbindung an das örtliche Stromnetz verlief zwar nicht ganz problemlos, nach einigen Verhandlungen mit den regionalen Stadtwerken konnte die Anlage aber letztendlich doch angeschlossen werden“, berichtet Maximilian Weiland. Da die Inbetriebnahme noch Ende des Jahres 2011 erfolgte, profitieren die beiden Unternehmer zudem noch von der zum damaligen Zeitpunkt höheren Einspeisevergütung. Das Konzept ist also aufgegangen: glückliche Hühner, schmackhafte Bio-Eier und gesicherte Stromerträge für die nächsten 20 Jahre.


Tag des offenen Hofes

Im September 2012 hatten interessierte Besucher erstmals die Möglichkeit, sich vor Ort über die ökologische Hühnerhaltung mit angegliederter Photovoltaikanlage zu informieren. Inmitten von Federvieh gab es einiges „Rund um das Ei“ zu erleben sowie Spiele für Groß und Klein. Für Essen – insbesondere Eierspeisen – und Getränke war bestens gesorgt. Ein gelungener Tag für die ganze Familie. Sogar Witzenhausens Bürgermeisterin ließ sich einen Besuch der „Photovoltaik-Freilandhühnerhaltung“ nicht nehmen und freute sich, dass dieses innovative Projekt die ökologische Landwirtschaft in ihrem Ort bereichert.

Auch in den nächsten Jahren möchte Maximilian Weiland Besuchern wieder die Möglichkeit geben, seinen Biolandhof zu besuchen. Weitere Informationen finden Sie unter: www.biolandhoffreudenthal.de

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