Ökologische Landwirtschaft mit Bauer Meusel

Die UmweltBank ist starker Finanzierungspartner

Heinrich Meusel aus Friedrichshöhe im Thüringer Wald ist mit 25 Jahren bereits erfolgreicher Jungunternehmer: Sein Betrieb erzeugt und vertreibt neben Bio-Kräuterheu auch ökologische Wellnessprodukte und Kräuterliköre. Aufgrund der guten Geschäftsentwicklung investierte der Landwirt Ende 2013 in den Neubau einer Lagerhalle und in die Anschaffung landwirtschaftlicher Geräte. Das innovative Projekt wurde von der UmweltBank finanziert und gefördert.



Frühes Interesse

Heinrich Meusel wuchs auf dem Bauernhof der Eltern auf, zu dem auch eine Pension gehört. Der junge Heinrich half schon früh bei der Heuernte mit und machte bereits mit 14 Jahren ein Praktikum bei Bergbauern in Österreich. Dort lernte er neue Techniken für Anbau und Ernte. Anschließend schloss er eine Ausbildung zum Land- und Forstarbeiter ab.

Nach seiner Ausbildung wagte Heinrich Meusel den Schritt in die Selbstständigkeit. Die Gründungsidee: Bergwiesen im Naturpark Thüringer Wald zu bewirtschaften und Kräuterheu zu vermarkten.

Heubad und Heilkräuter

Auf ökologisch bewirtschafteten Bergwiesen wurden damals wie heute Gräser geerntet und anschließend getrocknet. Das Heu wird aber nicht nur als Tierfutter verwendet, auch die Gäste der Familien-Pension „Arnika“ baden darin. Das mit heißem Wasser aufgegossene Kräuterheu pflegt die Haut und hilft bei Gelenkbeschwerden. Das Heubad geht auf eine Südtiroler Tradition zurück. Bereits vor 130 Jahren schliefen Landwirte nach der kräftezehrenden Heuernte im aufgeschichteten Heu und sollen am nächsten Morgen erholt und voll neuer Energie erwacht sein.

Auf den Bergwiesen gedeihen zahlreiche Heilkräuter wie Arnika oder Bärwurz. Die Kräuter machen das auf den Wiesen gewonnene Heu so besonders. Dass der Thüringer Wald gute Bedingungen für Heilkräuter bietet, ist nichts Neues: Schon im 18. Jahrhundert zogen sogenannte Buckelapotheker durch den Wald, um in einem Holzgestell auf dem Rücken naturmedizinisch wirksame Kräuter zu sammeln.

Der Pflanzenreichtum im Naturpark zog bereits Heinrich Meusels Großvater an, der als Botanik-Professor auf den artenreichen Bergwiesen Pflanzen sammelte und erforschte.

Vielfältige Flora und Fauna

Auf über 208.200 Hektar erstreckt sich der Naturpark im Südwesten Thüringens und bietet durch seine reiche Vegetation vielen Tieren ein Zuhause. Ausgedehnte Eichen-Buchen-Wälder sowie Fichten- und Kiefernforste wechseln sich mit steilen Hängen und üppigen Bergwiesen ab. Ideale Lebensbedingungen für Wildtiere wie beispielsweise Rothirsche. Der „König des Waldes“ bevorzugt Waldgebiete mit eingestreuten Lichtungen und Wiesen. Auf diesen findet er nahrhafte Gräser und Kräuter sowie junge Zweige und Pilze. Etwa 8.000 Exemplare der bis zu 200 kg schweren Hirsche leben im Thüringer Wald. Die Rotwildbestände wurden ursprünglich von Bär, Wolf und Luchs reguliert. Da diese sogenannten Beutegreifer in der Vergangenheit durch den Menschen verdrängt wurden, wird nun die Population der Hirsche durch Bejagung kontrolliert. Nur so kann das ökologische Gleichgewichts des Waldes gewahrt werden.

Auch zahlreiche Vögel fühlen sich in den Laubmischwäldern des Naturparks wohl: Spechte, Eulen oder auch die seltenen Schwarzstörche finden in den Wäldern ausreichend Brutplätze und Nahrung.

Ökologische Bewirtschaftung

Auf den Bergwiesen des Thüringer Naturparks erntet Heinrich Meusel, dem seine Tätigkeit den Beinamen Heu-Heinrich eingebracht hat, Gräser und Kräuter. Die Gräser werden von den wertvollen Kräutern und Blumen mithilfe einer speziellen Schweizer Bergwiesenmähtechnik getrennt, um eine separate Vermarktung zu ermöglichen.

Dabei übernimmt der Landwirt von der Ernte der Gräser bis zum Verkauf des Kräuterheus sämtliche Arbeitsschritte. Das hat den Vorteil, dass der Agrarbetrieb die Herstellung und den Verkauf der ökologischen Wellnessprodukte optimal steuern kann.

Neben der Bewirtschaftung der gepachteten Flächen bietet das Unternehmen Dienstleistungen wie forstliche Landschaftspflege und Bergwiesenbewirtschaftung für andere Landwirte und Unternehmen an. Diese können sich an den Betrieb Heu-Heinrich wenden, um Unterstützung für die aufwendige Ernte der Berggräser zu bekommen. Die Schweizer Bergtraktoren des Bio-Landwirts mähen somit nicht nur auf den eigenen Wiesen, sondern kommen auch für andere Landwirte des Thüringer Waldes zum Einsatz.

Idealismus und Ideenreichtum

Der Umwelt zuliebe verzichtet Heinrich Meusel auf den Einsatz von Düngemitteln. Zudem wird das Kräuterheu erst nach der Blütezeit geerntet, um die Artenvielfalt der Blumen und Kräuter auf den Bergwiesen zu erhalten.

Das Engagement des Bio-Landwirts wird besonders in der Vielfalt des Produktangebotes des jungen Unternehmens deutlich. Zum einen werden landwirtschaftliche Produkte wie Kräuterheu, Stroh oder Pellets vertrieben. Zum anderen produziert das Unternehmen auch Produkte für den persönlichen Gebrauch: Mit Kräuterheubädern, Heublumen-Lotionen und Kräuterlikören entspricht das Angebot der steigenden Nachfrage der Menschen nach Bio-Produkten.

Das Kräuterheu für Mensch und Tier findet auch außerhalb des Thüringer Walds regen Anklang: Derzeit beliefert der Betrieb von Heinrich Meusel ca. 2.000 Filialen verschiedener Märkte und Großhandelsketten in ganz Deutschland. Vier Mitarbeiter sorgen für die Abpackung und fristgemäße Lieferung des Kräuterheus.

Theoretisches Hintergrundwissen für sein vielschichtiges Vorhaben eignete sich der zielstrebige Jungunternehmer durch ein paralleles Teilzeitstudium mit den Schwerpunkten Betriebswirtschaft und Hotelmanagement an.

Ausbau des Betriebs

Die erfreulich positive Entwicklung des Unternehmens machte eine Erweiterung der bestehenden Kapazitäten erforderlich. Die UmweltBank finanzierte Ende 2013 die Errichtung einer neuen Lagerhalle mit Zufahrtstraße und die Anschaffung einer Maschine zur Absiebung von Heublumen und Kräutern.

Bisher hatten fehlende Kapazitäten die Lagerung des Heus unnötig verkom­pliziert. Mit den von der UmweltBank unterstützten Investitionen werden nun die Voraussetzungen für weiteres Wachstum geschaffen und damit auch eine ökologische Nutzung der Bergwiesen im Thüringer Wald gefördert.

Weitere Informationen finden Sie unter www.heu-heinrich.de

Projektdetails im Überblick

  • Standort Friedrichshöhe (Thüringer Wald)
  • Die UmweltBank finanzierte unter anderem eine neue Lager- und Logistikhalle, sowie eine Heusiebmaschine
  • Durch die neuen Lagerkapazitäten spart sich der Bio-Landwirt Transportwege und kann das Kräuterheu vor Ort weiterverarbeiten
  • Etwa 2.000 Filialen verschiedener Märkte und Großhandelsketten werden bundesweit mit dem Kräuterheu aus dem Thüringer Wald beliefert
  • Der Agrarbetrieb bietet auch anderen Landwirten des Thüringer Waldes Dienstleistungen wie das Mähen von Bergwiesen oder forstliche Landschaftspflege an

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