Energiezentrale Eschenfelden

Ein Nahwärmenetz für Hirschbach in der Oberpfalz

In Sachen Energieversorgung machen die Bewohner von Eschenfelden, einem Ortsteil von Hirschbach in der Oberpfalz, Nägel mit Köpfen. Im Verlauf des Jahres 2014 haben sie 60 veraltete und somit ineffiziente Heizungen abgeschaltet. Stattdessen setzt die Gemeinde nun auf nachhaltige Wärme, erzeugt aus einer eigens gebauten Energiezentrale. Die Verteilung erfolgt über ein ebenfalls neues Nahwärmenetz. Betreiber und Kreditnehmer ist die „Energie Eschenfelden GmbH“. Die UmweltBank hat die Anlage mit Blockheizkraftwerk und Holzpelletsvergaser sowie das Nahwärmenetz mit inzwischen 3.500 Metern Länge mitfinanziert. 

Auf den ersten Blick ist die Energiezentrale unscheinbar. Das Gebäude ist klein und hat keine Fenster, die den Blick auf die  Anlage im Inneren freigeben. Doch der Bau steht zurecht zwischen Rathaus und Kindergarten im Herzen von Eschenfelden. Denn hinter den Mauern befindet sich ein Blockheizkraftwerk (BHKW) mit einer thermischen Leistung von 270 Kilowatt  und einer elektrischen Leistung von 180 Kilowatt.

Blockheizkraftwerke erzeugen, im Ge­gen­satz zu anderen Heizungsanlagen, gleich­zeitig Wärme und elektrischen Strom.

Diese Kombination wird auch „Kraft-Wärme-Kopplung“ genannt. Einfach ausgedrückt, besteht das BHKW aus einem Verbrennungsmotor, der über einen Generator Strom erzeugt und zudem Wärme produziert.

Die Energiezentrale Eschenfelden versorgt über das inzwischen auf 3,5 Kilometer erweiterte Nahwärmenetz so 60 angeschlossene private Haushalte, Verwaltungsgebäude und Unternehmen mit Wärme und Warmwasser. 

Die Energiezentrale Eschenfelden

Die Rohre wurden komplett neu verlegt w

Die Ausgangssituation

Vor knapp vier Jahren hat der Hirschbacher Gemeinderat zum ersten Mal über ein Wärmenetz für den Ortsteil mit 360 Bewohnern nachgedacht. Hintergrund war, dass die überwiegende Zahl der Wohngebäude aus den 1960er bis 1980er Jahren stammt und sich in einem schlechten energetischen Zustand befand. Die meisten Häuser hatten Öl- oder Stromheizungen. Ein Gasnetz ist nicht vorhanden. Dementsprechend hoch war der Wärmebedarf und hinzu kam, dass viele der alternden Heizungsanlagen und Öltanks aufgrund technischer Ausfälle und gesetzlicher Vorgaben kostspielig saniert werden mussten.

Erste Machbarkeitsstudien ergaben allerdings wenig attraktive Wärmepreise und so hat die Gemeinde das Vorhaben wieder verworfen. Der selbstständige Maschinenbauingenieur Helmut Wendler erfuhr von der Idee aus der Zeitung. Da er in seinem Heimatort Henfenfeld bei Nürnberg bereits ein kleines Wärmenetz realisiert hat, schlug er der Gemeindeverwaltung ein Alternativkonzept mit besseren Bedingungen vor und überzeugte sofort die Gemeindevertreter.

Die Idee

Die Vorteile lassen sich in drei Stichworte fassen: Kostenersparnis, Umweltschutz, Standortvorteil. „Wir wollten Eschenfelden weiter als attraktiven Wohnort mit einer hohen Lebensqualität erhalten“, bringt es Bürgermeister Hans Durst auf den Punkt. Wärme und Strom werden nun günstig und energieeffizient aus nachwachsenden Rohstoffen (Holzpellets) produziert, die größtenteils aus der Region kommen.

Hohe Lebensqualität

Hirschbach-Eschenfelden gehört zum Landkreis Amberg-Sulzbach in der Oberpfalz. Der Ort befindet sich rund 45 km östlich von Nürnberg. Das Herzstück der Wirtschaft bilden Handwerksbetriebe. Der Fremdenverkehr etabliert sich immer stärker als Haupteinnahmequelle. Das Landschaftsschutzgebiet Hirschbachtal liegt mit seinen grünen Bergen und bizarren Felsformationen direkt vor der Haustür. Es gibt viele Wanderwege und an den Felsen treffen sich Kletterer. Das Gebiet gilt als eine der schönsten Regionen der Frankenalb. 

Die Details

Seit Ende des vergangenen Jahres ist die Energiezentrale nun in Betrieb. Die Anlage  umfasst neben dem Blockheizkraftwerk zwei Spitzenlast-/ Reservekessel, zwei Pufferspeicher, die Steuer- und Regelungstechnik sowie den Holzvergaser. Das Besondere: Das BHKW wird mit Gas betrieben, das der Holzvergaser mit Holzpellets im Rahmen eines thermochemischen Verfahrens erzeugt. Das Nahwärmenetz ist innerhalb eines Jahres komplett neu verlegt worden. Die Energiezentrale ist für eine Wärmebedarfsmenge von jährlich rund 1.600 Megawattstunden ausgelegt.Außerdem speist die Anlage den zusätzlich generierten Strom von jährlich rund 1.000 Megawattstunden in das öffentliche Netz ein. Dieser wird gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vergütet.

Das Blockheizkraftwerk wird eingebaut

September 2014: Spatenstich auf der Baustelle

Die Beteiligten

Kreditnehmer und Bauherr der Energiezentrale ist die „Energie Eschenfelden GmbH“. Helmut Wendler ist ihr Geschäftsführer und mit seiner Firma CTWe auch direkt daran beteiligt. Weitere Gesellschafter sind die Gemeinde Hirschbach und die Linn High Therm GmbH. Dieses Unternehmen ist nicht nur der größte Arbeitgeber in Eschenfelden, sondern mit rund einem Fünftel der erzeugten Wärmemenge gleichzeitig  auch größter Abnehmer.

Die UmweltBank fördert den Hauptteil  des Projekts. Ein Bestandteil der Finanzierung sind auch staatliche Zuschüsse. Zum einen gewährte das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) finanzielle Unterstützung für den Neubau des Wärmenetzes. Zum anderen förderte das Technologie- und Förderzentrum Bayern (TFZ), eine Einrichtung des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, über das Programm BioSol den Pelletsvergaser.

Ein Vorzeigeprojekt

Die Energiezentrale gilt als Vorzeigeprojekt, denn rein rechnerisch ist die Gemeinde jetzt energetisch autark. Und sparsam allemal: „Im Vergleich zur konventionellen Energieversorgung verbrauchen die Eschenfelder nur noch circa 60 Prozent des Brennstoffs“, informiert Helmut Wendler. In seinen Augen ist das Projekt ein ideales Beispiel für eine gelungene Energiewende mit bestmöglicher Ausnutzung von Energieressourcen.

Die Bürger stehen hinter der neuen Form der Wärmeversorgung, profitieren sie doch in mehrfacher Hinsicht. Und eines wird den Eschenfeldern sicher nicht fehlen: Der Anblick rauchender Schornsteine auf ihren Häusern. „Seit das Nahwärmenetz in Betrieb ist, hat sich die Luft hier deutlich verbessert“, freut sich Bürgermeister Durst.

Projektdetails im Überblick

  • Standort: Hirschbach-Eschenfelden
  • Die UmweltBank finanzierte den Bau einer Energiezentrale mit Blockheizkraftwerk, Holzpellets­vergaser und Nahwärmenetz
  • Das Rohrsystem umfasst inzwischen 3,5 Kilometer Länge und hat 60 Anschlüsse.


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