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Jahresrückblick 2016 - Solaraktien:
Schwieriges Jahr mit vielen Kursabstürzen bei Solaraktien – SolarWorld-Aktie und SunPower verloren auf Jahressicht über 70 Prozent



Auf dem internationalen Solarmarkt hat sich 2016 viel getan: Über das Jahr wurde so viel Solarstromkapazität neu installiert wie noch nie zuvor. Davon geht zumindest das Marktforschungsunternehmen Mercom Capital Group aus. Laut deren Experten wurden weltweit in 2016 Solaranlagen mit 76 Gigawatt (GW) Gesamtkapazität neu installiert. In 2015 seien es 51 GW gewesen. Das starke Wachstum entfiel vor allem auf China, wo allein im vergangenen Jahr rund 31 GW neu errichtet wurden. Das war fast das Dreifache des im Vorjahr erreichten Zubaus. Die Regierung in Peking reagierte darauf, indem sie die Solarförderung zur Jahresmitte massiv beschränkte.

Damit wurde der Zubau in China in der zweiten Jahreshälfte deutlich abgebremst. Das aber führte dazu, dass die chinesischen Solarhersteller ihre stark ausgebaut Produktion nicht mehr auslasten konnten. Sie waren gezwungen, mit Billigpreisen in westliche Märkte zu drängen. Das wiederum löste im Weltmarkt einen starken Preisverfall bei Solarmodulen aus und führte zu sinkende Einnahmen bei allen Solarherstellern. Etliche Solarkonzerne mussten massiv auf die Kostenbremse drücken und ihre Prognosen kappen. Die Börsianer reagierten verschreckt, die Kurse von Solaraktien brachen auf breiter Front ein.

Wie eine Analyse des britischen Marktforschers IHS Technology zeigte, wurden in den Vereinigten Staaten viele Solar-Projekte nach hinten verschoben. Aufgrund einer Verlängerung der Solarförderung hatten Projektierer weniger Druck, geplante Photovoltaikprojekte noch in 2016 abzuschließen. Zudem hätten viel US-Projektentwickler hohe Lagerbestände mit Solarmodulen aufgebaut und müssten diese nun zunächst abtragen, so die Marktforscher. Laut IHS Technology erhielten Solarhersteller für ihre Module von Kunden deutlich weniger Geld, wenn diese für das zweite Halbjahr bestellt wurden.


Entwicklung des Solarmarktes in Deutschland und die EEG-Reform

In Deutschland blieb der Solarzubau auch in 2016 klar unter der Zielmarke von mindestens 2,4 GW. Diese Zielmarke der Bundesregierung war schon in den Vorjahren nicht erreicht worden. Deshalb wurden die festen Einspeisetarife für Solarstrom in 2016 auch nicht weiter gesenkt. Im Gegensatz zur Windkraft waren im Bereich Photovoltaik schon durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2015 Ausschreibungen eingeführt worden, allerdings nur für große Solarparks auf freier Fläche. Das neue EEG weitet diese Praxis ab 2017 auf alle neuen Solaranlagen aus, sofern sie nicht kleiner als 0,750 MW sind. Künftig konkurrieren Freiflächenanlagen in Auktionen mit großen Solar-Dachanlagen und Systemen auf sonstigen baulichen Anlagen.

Ab 2017 wird nur noch rund 20 Prozent des Stroms aus neu errichteten Erneuerbare-Energie-Anlagen mit einem festen Einspeisetarif vergütet. Für alle übrigen Ökostromkraftwerke gilt dann, dass der Preis für ihren Strom über Ausschreibungen festgelegt wird. Das jährliche Ausschreibungsvolumen für Solaranlagen legte die Bundesregierung im neuen EEG auf 600 Megawatt (MW) fest, nach 400 MW im Jahr 2016. Es bleibt bei dem Ziel, dass in Deutschland pro Jahr neue Solaranlagen mit einer Gesamtkapazität von 2,4 GW ans Netz kommen sollen. In den vergangenen beiden Jahren wurden aber nur 1,5 und 1,9 GW erreicht. 2012 betrug der Zubau noch 8,3 GW.

Weiterhin kommen nur wenige Solaranlagen in Deutschland neu ans Netz, bei den Photovoltaik-Freiflächenanlagen geht der Zubau sogar zurück. Das zeigen Berichte der Bundesnetzagentur zum Solarzubau. Insgesamt waren laut der Behörde im Oktober deutsche Solaranlagen mit rund 40,6 Gigawatt (GW) gemeldet. Nicht alle wurden aber tatsächlich im Oktober in Betrieb genommen, ans Netz gingen 3.062 PV-Anlagen mit 61,6 MW.

Mitte Dezember veröffentlichte die Bundesnetzagentur die Ergebnisse der sechsten Pilotausschreibung für PV-Freiflächenanlagen. Darin erhielten 27 Gebote mit einem Umfang von rund 163 MW einen Zuschlag von durchschnittlich 6,90 Cent/kWh. Insgesamt gingen 76 Gebote für Projekte mit 423 MW Gesamtleistung ein. Auch die letzte Ausschreibungsrunde war damit mehrfach überzeichnet. Das niedrigste erfolgreiche Gebot lag bei 6,26 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Mit der EEG-Novelle können ab sofort auch Gebote für Freiflächen- und Dachanlagen ab 750 Kilowatt (KW) Leistung abgegeben werden. Stichtag ist der 1. Februar 2017, das Ausschreibungsvolumen beträgt 200 MW.

Die Solar-Auktionen überschreiten künftig Grenzen: Dänen und Deutsche können sich seit kurzem an Ausschreibungen im jeweiligen Nachbarland beteiligen. Aufgrund einer Vereinbarung werden die nationalen Fördersysteme teilweise für Gebote von PV-Projekten geöffnet, die im Gebiet des jeweils anderen Vertragspartners liegen. Im Testdurchlauf führte Dänemark im November eine Ausschreibungsrunde für insgesamt 20 MW durch. Davon waren 2,4 MW für Freiflächenanlagen des Nachbars geöffnet. Deutschland hatte im gleichen Zug 50 MW für Anlagen auf dänischem Boden geöffnet. Dabei wurden alle Zuschläge an dänische Gesellschaften vergeben, für niedrige Tarife von 5,38 Cent/kWh. Mit der Ausschreibung sammelten Deutschland und Dänemark Erfahrungen: Die EU-Kommission fordert von Deutschland, 5 Prozent des Ausschreibungsvolumens für andere EU-Mitglieder zu öffnen. Der Anteil könnte künftig auf 15 Prozent steigen. Bald sollen alle Mitgliedsstaaten ihre Auktionen öffnen.


Deutsche Solaraktien – SolarWorld, Phoenix Solar und SMA Solar Technology mit schwacher Bilanz

Für die deutschen Solaraktien war es kein leichtes Jahr. Der Solarkonzern SolarWorld aus Bonn litt zuletzt unter dem starken Preisverfall für Solarmodule. Die Preise sanken laut SolarWorld im dritten Quartal 2016 um 20 Prozent. Nach neun Monaten erreichte das Unternehmen zwar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Umsatzplus von rund 20 Prozent auf rund 639 Millionen Euro. Doch der Solarkonzern ist wieder weit von dem Ziel entfernt, profitabel zu wirtschaften. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) verschlechterte sich von Januar bis September massiv. Es sank von positiven 11,4 Millionen Euro auf einen Fehlbetrag in Höhe von 29,7 Millionen Euro.

Der Vorstand räumte ein, dass SolarWorld die Prognosen im Gesamtjahr „voraussichtlich nicht erfüllen“ wird. Erst im Juli hatte SolarWorld der Vorstand die Jahresprognose gekürzt. Das dann genannte Ziel für ein EBIT von minus 10 Millionen Euro bis plus 10 Millionen Euro steht nun in Frage. Das wirkte sich auch auf die SolarWorld-Aktie aus: Sie verlor auf Jahressicht knapp über 73 Prozent. Bereits 2015 hatte der Solarkonzern den Anschluss an die wichtigsten Wettbewerber verloren. Die größten Solarhersteller, zu denen SolarWorld schon lange nicht mehr zählt, produzieren in weitaus größeren Mengen und können dadurch aufgrund geringerer Stückkosten ihren Preisvorteil weiter ausbauen. Sie verfügen zudem über ausreichend Kapital, um in wachstumsträchtigen Photovoltaikmärkten ein margenstarkes Projektgeschäft aufzubauen.

Konkurrenten wie First Solar und SunPower haben schon vor Jahren damit begonnen, als Solarprojektierer die Abhängigkeit von den Einnahmen als Solarhersteller zu verringern und zugleich durch diese Projekte die eigene Produktion zu wachsenden Teilen sicher mit der eigenen Nachfrage auszulasten. Im Vergleich verfügt SolarWorld über ein deutlich geringeres Wachstumspotential.


Aktie der Phoenix Solar im Kurskeller: Geht es 2017 wieder aufwärts?

Die Solarfirma Phoenix Solar aus dem bayrischen Sulzemoos schwächelte ebenfalls und büßte in einem Jahr rund 45 Prozent ihres Wertes ein. Deutlich stürzte der Kurs ab, als das Unternehmen im November bekannt gab, es werde seine Umsatz- und Ergebnisziele für 2016 verfehlen. Seitdem erholte sich die Aktie nur geringfügig. Der deutsche Solarpionier hat die Umsatzprognose um ca. 50 Millionen Euro gesenkt. Nun erwartet das Management einen Umsatz zwischen 135 und 150 Millionen Euro für 2016. Bislang hatte das Unternehmen eine Prognose von 180 bis 210 Millionen Euro veröffentlicht. Im Jahr 2015 hatte Phoenix Solar einen Umsatz von 119,4 Millionen Euro erzielt.

Als Grund für die niedrigere Prognose gibt Phoenix Solar an, zwei größere Projektaufträge aus den USA und der Türkei hätten sich verschoben. Allerdings entstünden die Umsätze daraus voraussichtlich im Laufe des Geschäftsjahres 2017. In diesem Jahr rechnet der Vorstand Solar mit weiterem Umsatzwachstum und weiter verbesserter Profitabilität. Für 2016 erwartet Phoenix Solar nur noch ein EBIT zwischen 0,5 und 2 Millionen Euro. Bislang lautete die Prognose auf 2 bis 4 Millionen Euro. 2015 war das Ergebnis negativ: es betrug minus 1,6 Millionen Euro.


SMA Solar Technology: Stark genug, um die Krise durchzustehen?

Auch die SMA Solar Technology AG verpasst ihre Zielvorgaben für das Jahr 2016 – Hauptgrund sei das hohe Überangebot für Solarmodule im Weltmarkt, teilte das Unternehmen aus Niestetal bei Kassel zur Begründung mit. Viele Investoren zögern derzeit mit der Umsetzung geplanter Solarkraftwerke. Denn sie können hoffen, dass die Preise für Solarmodule weiter fallen und sie später die Module noch viel billiger einkaufen können. Damit verzögert sich aber in vielen Fällen auch der Einkauf von Wechselrichtern für Solaranlagen. Wie die Zahlen der ersten neun Monate zeigen, konnte der Wechselrichter-Hersteller SMA Solar von Januar bis September den Umsatz und das Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr steigern. Der Umsatz der SMA Gruppe legte um 3,2 Prozent zu auf 708,8 Millionen Euro zu. Das EBIT stieg auf 59,4 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 9,9 Millionen). Das Ergebnis je Aktie betrug 1,06 Euro (Vorjahr: -0,39 Euro).

SMA Solar hatte die Umsatzprognose Ende Oktober 2016 auf 900 Millionen Euro bis 950 Millionen Euro gesenkt – zuvor erwartete der TecDAX-notierte Konzern bis zu 1,05 Milliarden Euro. Vor Zinsen und Steuern rechnet SMA Solar nun mit einem Gewinn zwischen 60 Millionen Euro und 80 Millionen Euro statt bisher prognostizierter 80 Millionen Euro bis 120 Millionen Euro. Nach der Gewinnwarnung Ende Oktober war der Aktienkurs drastisch abgestürzt bis auf knapp 21 Euro. Die Aktie notiert auf Jahressicht rund 50 Prozent im Minus.

Für die SMA Solar Technology AG spricht aber, dass sie hoch profitabel wirtschaftet und finanziell stabil dasteht. „Mit einer hohen Eigenkapitalquote von fast 50 Prozent und einer Nettoliquidität von über 350 Millionen Euro zählt SMA in der Solarbranche zu den solidesten Unternehmen“, betonte SMA Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon. Das Unternehmen kann also eine vorübergehende Marktkrise aussitzen.


Nordamerika schlägt China – Canadian Solar, First Solar und SunPower stehen vergleichsweise gut da

Dem Negativtrend für Solaraktien kann sich auch Canadian Solar nicht entziehen. Für die Aktie des kanadischen Solarkonzerns haben sich die Kursrisiken sehr erhöht, auf Jahressicht hat sie gar 57 Prozent an Wert verloren. Nach neun Monaten des Geschäftsjahres 2016 verzeichnete Canadian Solar eine stark rückläufige Tendenz. So schrumpfte der Umsatz von Januar bis September von 2,347 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum auf 2,185 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn sank von 109,6 Millionen US-Dollar (1,97 Dollar pro Aktie) auf 78,7 Millionen US-Dollar (1,37 Dollar pro Aktie). Für das Gesamtjahr 2016 erwartet Canadian Solar Aufträge für Solarmodule im Umfang von rund 5,1 GW bis 5,2 GW. Ursprünglich hatte der Hersteller mit 5,4 GW bis 5,5 GW gerechnet. Für das gesamte Jahr werde der Umsatz zwischen 2,8 und 2,9 Milliarden US-Dollar liegen – im Vergleich zu vorher erwarteten 3,0 Milliarden Dollar bis 3,2 Milliarden Dollar, hieß es.

Der Konzern hat es aber immerhin bereits geschafft, ein großes Projektgeschäft aufzubauen und damit seine Abhängigkeit von der Solarmodul-Produktion zu verringern. Zudem ist er in der Lage, den Absatz wieder stärker nach Japan und in die USA zu verlagern und damit die Einbrüche im China-Geschäft abzumildern. Canadian Solar dürfte zu den Konzernen gehören, die auch eine weitere Marktbereinigung überstehen und langfristig gute Wachstumschancen haben.


First Solar: Harte Einschnitte, damit die Aktie 2017 wieder zulegen kann

First Solar aus dem US-Bundesstaat Arizona produziert keine Silizium-Solarmodule, sondern weitaus billigere Dünnschicht-Module. Diesen Markt dominiert er mit weitem Abstand vor der Konkurrenz. Künftig will First Solar die Produktion herkömmlicher Solarmodule sogar ganz stoppen und sich ganz auf die Fertigung preisgünstiger Dünnschicht-Module konzentrieren. Damit reagierte das Unternehmen auf den massiven Preisverfall bei Solarmodulen.

Und es nahm weitere harte Einschnitte vor: Fast jeder vierte Mitarbeiter muss gehen, und im Geschäftsjahr 2016 führen hohe Umstrukturierungskosten zu einem Fehlbetrag in der Bilanz. Die Gewinnprognose wurde massiv gekürzt, und die Konzernführung kündigte einen Verlust je Aktie von 2,0 bis 4,0 Dollar in 2016 an. Auf Jahressicht hat die First-Solar-Aktie etwa 52 Prozent eingebüßt. Die Kosten werden den Angaben zufolge auf bis zu 1,16 Milliarden Dollar ansteigen. Um wettbewerbsfähiger zu sein, will der Konzern die derzeitige Produktion der Serie 4 auslaufen lassen und schneller als bislang angestrebt die Fertigung auf die kostengünstigere Serie 6 umstellen. Die Serienfertigung 5 wird übersprungen. Nach seiner neuen Prognose könnte First Solar 2017 wieder in die Gewinnzone zurückkehren. Prognostiziert wird für dieses Jahr ein Ergebnis je Aktie von minus 0,10 bis plus 0,45 Dollar.

Immerhin: First Solar ist finanziell solide genug aufgestellt, um einmalige Jahreskosten von über einer Milliarde Dollar wegzustecken. Das hat der Konzern vielen Konkurrenten voraus, von denen vielen massiv verschuldet sind. Hinzu kommt, dass First Solar auch in großem Umfang als Solarprojektierer aktiv ist, was dem Konzern stabilen Einnahmen aus dem Solarstromverkauf sichert und Zusatzeinnahmen aus dem Verkauf von Solarparks, die für Kunden errichtet werden.

Die kalifornische SunPower bietet im Gegensatz zu First Solar besonders leistungsstarke Solarmodule an. Sie könnte also mit dem Argument besonderer Qualität die Preissenkungen begrenzen. Wie First Solar ist SunPower eigentlich finanziell sehr stark aufgestellt, das Unternehmen könnte also eine längere Verlustphase aussitzen. Dennoch schreibt SunPower 2016 weiter rote Zahlen und hat die Jahresprognose zweimal gekürzt. Nun erwartet der Konzern einen Jahresverlust von 295 Millionen bis 320 Millionen Dollar. Die Umsatzprognose für 2016 verringerte SunPower von 2,8 bis 3,0 Milliarden Dollar Umsatz auf 2,4 bis 2,6 Milliarden Dollar.

Das hatte auch Folgen für die Solaraktie: Auf Jahressicht hat sie sich um 77 Prozent verbilligt. Auch für das kommende Jahr sind die Aussichten eher düster. Chief Executive Officer (CEO) Tom Werner geht für 2017 davon aus, dass SunPower weniger Solarmodule produzieren wird und sich große Solarprojekte für Energieversorger verzögern. Dies dürfte den Kursverfall der Aktie von SunPower ebenfalls befördert haben.


Chinesische Solaraktien unter Druck: Aktienkurse von JA Solar, JinkoSolar, ReneSola und Yingli Green Energy auf Talfahrt

Auf den ersten Blick stehen chinesische Solarkonzerne gut da: Die Halbjahreszahlen der Hersteller mit Aktie an der Börse sind alle positiv ausgefallen. Jeweils haben sie Umsatz und Ergebnis gegenüber dem Vorjahreszeitraum kräftig gesteigert – damit profitierten die Unternehmen von einer starken Nachfrage aus ihrem Heimatmarkt. Doch in China haben sich die Rahmenbedingungen deutlich verschlechtert. Denn die chinesischen Einspeisetarife für Solarstrom wurden zur Jahresmitte stark gekürzt. Deshalb hatte es im ersten Halbjahr einen Installationsboom gegeben: Die Investoren wollten so viele neue Solaranlagen wie möglich bauen, so lange noch die alten Einspeisetarife galten.

Doch schon im zweiten Halbjahr machte sich die sinkende Nachfrage bei den Solarherstellern bemerkbar. Weil das Geschäft im Heimatmarkt China immer schwieriger wird, müssen sie im Ausland ihre Preise massiv senken, um die hohe Produktion auszulasten. Das betrifft auch den Konzern JA Solar. Zwar hat das Unternehmen hat für das dritte Quartal 2016 noch starke Absatz- und Umsatzzahlen vermeldet. Allerdings ist der Nettogewinn deutlich gesunken, wie aus dem Quartalsbericht hervorgeht. „Die Ergebnisse im dritten Quartal lagen im Rahmen unserer Erwartungen“, erklärte dazu Baofang Jin, Vorstandschef des Solarherstellers. Demnach hat sich der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 9 Prozent bzw. umgerechnet 624,3 Millionen Dollar gesteigert. Beim Nettogewinn blieb JA Solar jedoch mit 6,6 Millionen Dollar deutlich hinter den Vergleichswerten zurück: Im Vorjahresquartal hatte der Nettogewinn noch bei 38,8 Millionen Dollar gelegen.

Um die rückläufige Nachfrage nach Solarmodulen zu kompensieren, hat JA Solar seine Photovoltaik-Produkte stärker auf verschiedene internationale Märkte gebracht. Das eigene Projektgeschäft ist nach Unternehmensangaben intakt: Derzeit befänden sich Projekte mit etwa 40 MW im Bau, für das kommende Jahr seien neue Anlagen mit 150 bis 200 MW in Planung. Kurzfristig sei einiger Gegenwind im Markt zu erwarten – wenn sich die Marktbedingungen wieder verbesserten, sei JA Solar aber gut positioniert für ein langfristiges Wachstum, zeigte sich Vorstandschef Jin überzeugt. Auf Jahressicht verbilligt sich die Solar-Aktie um etwa 50 Prozent.

Hohe Lagerbestände an Solarmodulen und steigende Produktionskosten wegen sinkender Auslastung wirkten sich ebenfalls negativ auf den Aktienkurs und das dritte Quartals-Ergebnis 2016 von Yingli Green Energy  aus: Nach zwei Quartalen im Plus rutschte der chinesische Solarmodul-Hersteller damit wieder in die roten Zahlen. Problematisch für Yingli ist die Abhängigkeit vom chinesischen Markt: Im dritten Quartal seien 56,4 Prozent der ausgelieferten Solarmodule für den chinesischen Photovoltaik-Markt bestimmt gewesen, hieß es. Die Menge der ausgelieferten Solarmodule sank im Vergleich zum zweiten Quartal von 662 auf 365,3 Megawatt. Yingli senkte seine Absatzprognose für 2016 auf einen Absatz zwischen 2,1 und 2,2 Gigawatt. Die Solar-Aktie büßte auf Jahressicht rund 46 Prozent ihres Wertes ein.


ReneSolar rutschte in die roten Zahlen – sogar Delisting drohte

Auch der chinesische Solarkonzern ReneSola schreibt rote Zahlen – nach vier aufeinander folgenden profitablen Quartalen. Im dritten Quartal 2016 sank der Umsatz auf 187,0 Millionen Dollar, ein Verlust von 49 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Prognostiziert worden war ein Umsatz von 200 Millionen. Der Nettoverlust belief sich auf 20,5 Millionen Dollar gegenüber 8,6 Millionen Gewinn im Vorjahresquartal. Der Verlust pro Aktie betrug auf 0,2 Dollar. Die Solar-Aktie von ReneSola stürzte nach Bekanntwerden der Zahlen innerhalb kurzer Zeit um fast 13 Prozent ab. Weiterhin droht das Delisting von der New Yorker Börse. Auf Jahressicht fiel der Wert der Solaraktie um knapp 64 Prozent.

Jedoch habe ReneSolar Schulden abgebaut und wichtige Punkte der Strategie umgesetzt, hieß es aus dem Unternehmen: Das eigene Projektportfolio wurde auf über 1 Gigawatt erweitert und soll in den kommenden ein bis zwei Jahren monetarisiert werden. Aufgrund herausfordernder Marktbedingungen will sich ReneSola künftig stärker auf die Projektentwicklung fokussieren, so CEO Xianshou Li. 2016 veräußerte ReneSola sechs Großprojekte im Vereinigten Königreich mit einer Gesamtkapazität von ca. 26 MW an einen europäischen Käufer. Die Umsatzerlöse werden voraussichtlich im vierten Quartal 2016 ausgewiesen. Für das vierte Quartal erwartet der Solarkonzern einen Umsatz im Bereich zwischen 220 Millionen und 240 Millionen Dollar und eine Bruttomarge im hohen einstelligen Bereich.


Trotz „herausforderndem Umfeld“: Hohe Absatzerwartungen bei JinkoSolar

Bessere Zahlen konnte der Solarkonzern JinkoSolar für das dritte Quartal 2016 vorlegen. Sowohl Umsatz als auch Gewinn steigerte der Solarkonzern im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Umsatz lag im dritten Quartal bei umgerechnet 855,3 Millionen US-Dollar – ein Zuwachs um 39 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Den Nettogewinn bezifferte JinkoSolar mit 35,0 Millionen US-Dollar, eine 23-prozentige Steigerung im Vergleich zu 2015. Alles in allem sah es 2016 für JinkoSolar noch gut aus: „Unser Geschäft konnte trotz des herausfordernden Umfelds weiter wachsen“, erklärte JinkoSolar-Vorstandschef Kangping Chen. Um dieses Ziel zu erreichen, hatte der Konzern starke Kostensenkungen vorgenomme.

JinkoSolar hob die Jahresprognose für das Geschäftsjahr 2016 nochmals an – als einziger großer Solarkonzern. Nun gehe der Photovoltaik-Hersteller von Modullieferungen zwischen 6,6 bis 6,7 GW für 2016 aus, nach zuvor noch 6,0 bis 6,5 GW. Für das vierte Quartal 2016 bedeute dies eine Absatzerwartung zwischen 1,7 und 1,8 GW. Die Aktie verlor dennoch auf Jahressicht etwa 45 Prozent.


Nachfrageeinbruch auch bei den Solarausrüstern: Manz AG und Meyer Burger Technology kämpften

Eine Krise der Solarhersteller bedeutet, dass sich auch die Aussichten für Solarzulieferer und Solarausrüster verschlechtern. Die Solarhersteller werden versuchen, den Preisdruck an ihre Zulieferer weiterzugeben. Und sie werden abermals weniger in Produktionstechnik investieren. Für Solarausrüster besteht sogar die Gefahr, dass vereinbarte Bestellungen nicht abgerufen oder Kunden zahlungsunfähig werden. Damit erhöhen sich auch die Anlagerisiken bei diesen Aktien.

Die Manz AG aus Reutlingen konnte eine Vergleichsvereinbarung mit einem wichtigen Kunden schließen. Der namentlich nicht genannte Kunde des Solarausrüsters hatte Anfang Juni 2016 ein Großprojekt im Bereich Energy Storage kurzfristig gestoppt. Zunächst befürchtete negative Auswirkungen auf die Prognose für 2016 blieben aus. Allerdings fielen durch die Auftragsstornierung sowie das Ausbleiben von erwarteten Folgeaufträgen entsprechende Umsatzerlöse und Erträge für das Gesamtjahr 2016 weg. Trotz eines verbesserten Solargeschäfts hat die Manz AG in den ersten neun Monaten erneut tiefrote Zahlen geschrieben. Zwar hielt sich der Umsatz mit 167,3 Millionen Euro etwa auf Vorjahresniveau, doch der EBIT-Verlust belief sich auf 25,7 Millionen Euro (Vorjahr: -30,1 Millionen). Auf Jahressicht legte die Manz-Aktie nur minimal um rund 1 Prozent zu.

Für das Geschäftsjahr 2016 erwartet der Vorstand der Manz AG nun Umsätze in Höhe des Vorjahres und bestätigt seine Erwartungen hinsichtlich eines deutlich verbesserten EBIT im Vergleich zum Geschäftsjahr 2015. Im Jahr 2015 hatte der Solarausrüster einen EBIT-Verlust in Höhe von 58 Millionen Euro erwirtschaftet. Ursprünglich hatte das Unternehmen eine deutliche Umsatzsteigerung erwartet. Allerdings wurde ein wichtiger Auftrag für eine sogenannte CIGSfab verschoben, das ist eine schlüsselfertige Fabrik zur Produktion von Dünnschichtmodulen. Der Auftrag sollte bisher in der Prognose des Vorstands für das Gesamtjahr 2016 enthalten sein, nun werde er erst in den Geschäftsjahren 2017 und 2018 umsatz- und ertragswirksam, hieß es.


Meyer Burger Technology stellt wichtige Weichen für die Sanierung

Die Meyer Burger Technology AG steckte 2016 tief in der Krise, was auch der Aktienkurs zeigt, der auf Jahressicht um fast 89 Prozent einbrach. Jedoch konnte der Solarausrüster in Thun (Schweiz) eine wichtige Kapitalerhöhung von 164,5 Millionen Schweizer Franken (CHF) erfolgreich durchführen. Dazu wurden fast 457 Millionen neue Namensaktien angeboten. Meyer-Burger-Aktionäre konnten fünf neue Namenaktien zu einem Angebotspreis von 0,36 CHF pro Stück für jede bestehende Aktie zeichnen. Somit  kann das kriselnde Unternehmen sein Rekapitalisierungs-Programm umsetzen. Der Zulieferer für Solarmodulhersteller will sich durch die Ausgabe der neuen Aktien refinanzieren. Das Geld braucht Meyer Burger, in diesem Jahr um auslaufende Schulden zu bezahlen.

Nach vorläufigen Berechnungen hat Meyer Burger seinen Umsatz von Januar bis September gegenüber dem Vorjahreszeitraum fast verdoppelt. Er sprang um 97 Prozent auf 358,5 Millionen CHF. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) drehte mit knapp 14 Millionen CHF ins Positive, nach über 67 Millionen CHF EBITDA-Verlust im Vergleichszeitraum. Dennoch erwirtschafteten die Schweizer abermals einen hohen Nettoverlust. Er fiel mit minus 40,3 Millionen CHF immerhin deutlicher aus als in 2015, als nach neun Monaten ein Nettoverlust von fast 139 Millionen CHF verbucht wurde. Der Auftragseingang entwickelte sich mit einem Plus von 15 Prozent auf 358,5 Millionen CHF gut. Aber offenbar erwartet der Solarausrüster einen Auftragsrückgang im kommenden Jahr. Denn er will stark auf die Kostenbremse drücken und die jährlichen operativen Gesamtkosten um rund 50 Millionen CHF reduzieren.

Hinsichtlich der bereits von den Wandelanleihe-Gläubigern genehmigten Änderungen der Bedingungen der Wandelschuldverschreibung von 100 Millionen CHF (bis 2020) steht die Zustimmung des Obersten Gerichts des Kantons Bern noch aus. Meyer Burger hofft auf höhere Einnahmen nach 2018 und will sich von der Verpflichtung freikaufen, die Anleihe womöglich schon in 2018 auszahlen zu müssen. Ferner haben laut Meyer Burger die Banken dem Unternehmen zugesichert, einen eigentlich im April 2017 fällig werdenden Kredit von 30 Millionen CHF und eine weitere Kreditlinie über 60 Millionen CHF um drei Jahre zu verlängern.

 

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