Im Jahr 2008 gab es im Umweltrat einen turnusmäßigen Wechsel der Verantwortlichkeiten. Nach der Hauptversammlung war folgende Aufgabenteilung gegeben:
Vorsitz ab 27. Juni 2008:
Dr. Burkhard Schulze Darup, Nürnberg –
freiberuflicher Architekt und Autor
Stellvertretender Vorsitz ab 27. Juni 2008:
Joachim Vogel, Hannover –
freiberuflicher Versicherungs- und Umweltsachverständiger
Vorsitz bis 27. Juni 2008:
Silke Riedel, Hannover –
Leiterin des Investmentbereiches der imug Beratungs GmbH
Der Umweltrat führte die satzungsgemäßen Funktionen als Ratgeber und Kontrollorgan aus. Es fanden drei Umweltratsitzungen statt, bei denen Projektbeispiele und Darlehenszusagen bezüglich des Verfahrens und der Rahmenbedingungen diskutiert und überprüft wurden. Seitens der Bank wurde bei den Umwelträten unterstützende Beratung für ausgesuchte Finanzierungen eingeholt. Die Vergabe der Kredite nach den ökologischen Kriterien der UmweltBank wurde vom Gremium geprüft. Die geförderten Projekte und ausgereichten Kredite erfüllen die Kriterien der UmweltBank und haben einen deutlichen ökologischen Hebel sowie in ausgewählten Fällen eine Vorbildfunktion. Bis Ende 2008 finanzierte und förderte die UmweltBank 11.106 Projekte aus den Bereichen Sonnenenergie, Wind- und Wasserkraft, Biomasse und Biogas, ökologisches Bauen und Sanieren und ökologische Landwirtschaft in ganz Deutschland. Umweltschädliche Engagements ging die UmweltBank auch in 2008 nicht ein.
In den Sitzungen erläuterte der Vorstand die Aktiv- und Passivseite der Bilanz, gab einen Überblick über die Verteilung der Kredite sowie Förderdarlehen und stellte ausgewählte Projekte im Einzelnen vor. Auch in 2008 war der Bereich Solarfinanzierung mit 47 % der größte Förderbereich der UmweltBank, die hier in den letzten Jahren große Kompetenz aufgebaut hat. Der breite Erfahrungsschatz wirkt sich auch bei der Beratungskompetenz der einzelnen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Kreditberatung aus.
Das als Liquiditätsreserve der UmweltBank fungierende Depot A wurde auch 2008 in ökologischer Hinsicht durch drei externe und unabhängige Ratingagenturen (scoris, imug und oekom) überprüft und geratet. Die Anlage überschüssiger bzw. geparkter Liquidität im Depot A erfolgt überwiegend in sicheren Wertpapieren, wie europäischen Staatsanleihen, deutschen Pfandbriefen und kurzfristigen Geldanlagen bei Landes- und Zentralbanken. Ausgangspunkt für die externe Bewertung sind die Negativkriterien der UmweltBank mit einer 5 %-Grenze, erweitert durch eine best-in-class-Bewertung. Die drei Ratingagenturen kamen teilweise zu ähnlichen, teilweise zu unterschiedlichen Einschätzungen, die in eine Durchschnittsnote einfließen. Aus Nachhaltigkeitssicht kann das Depot A insgesamt leicht positiv bewertet werden. Die Fortschreibung der Ratings wird für den Umweltrat auch weiterhin ein wichtiges Thema darstellen.
Auf Grund der dynamischen Entwicklung im Bereich Bauen und Energie durch die Energieeinspeiseverordnung 2007 (EnEV) und geänderte Förderpraktiken bei der energetischen Gebäudesanierung bestand ein Anpassungsbedarf bei der UmweltPunkte-Checkliste. Deshalb wurden die ökologischen Aspekte eines Bauvorhabens direkt in die Antragsformulare zur Baufinanzierung aufgenommen. Ausgangspunkt für die Neugestaltung der Förderkonditionen waren die Aspekte Energieeffizienz, der Einsatz Erneuerbarer Energien und die Umweltverträglichkeit der Gebäude. Ökologisch hochwertige Projekte können bei der UmweltBank eine Förderkondition erreichen, die um 0,15 Prozentpunkte günstiger ist als bei Standardfinanzierungen. Dieser Aspekt der Zusatzförderung zukunftsfähiger Projekte ist weiterhin ein zentrales Anliegen der UmweltBank und des Umweltrats. Weitere Neuerungen, z.B. durch die EnEV 2009 werden bei den nächsten Umweltratsitzungen von Bedeutung sein und thematisiert. Insgesamt stellt der Umweltrat fest, dass sich die Integration der UmweltPunkte-Checkliste in den Antrag bewährt hat.
Die Höhe der Einsparung von Kohlendioxidemissionen bei verschiedenen Baufinanzierungsprojekten war Thema mehrerer Sitzungen. Die bisherige Ermittlungsmethode der UmweltBank wurde durch den Umweltrat erweitert und präzisiert. Dadurch kann in verfeinerter Form für die einzelnen Finanzierungsbereiche die Reduktion an CO2-Emissionen für die jährliche Statistik der UmweltBank ermittelt werden.
In 2008 wurden vier Titel neu in den UmweltBank-AktienIndex (UBAI) aufgenommen. Dieser enthält mittlerweile 41 börsennotierte Aktien aus dem deutschsprachigen Raum. Die Neuaufnahme oder das Delistung von Titeln liegt im Verantwortungsbereich des Vorstands der UmweltBank, der dem Umweltrat auf der jeweils nächsten Sitzung eine Begründung der Veränderung zur Information vorlegt. Der Umweltrat hat ein Einspruchsrecht, das nicht genützt wurde. Das gleiche Verfahren gilt für die Veränderung bei Umweltfonds.
Im Geschäftsjahr 2008 hat die UmweltBank verschiedene Genussrechte bzw. Genußscheine emittiert und den Umweltrat auf den Sitzungen informiert. Die erweiterte Angebotspalette bietet Umweltprojekten Finanzierungsmittel und den Kunden Auswahl bei der Vermögensanlage.
Am 31. Oktober 2008 fand die jährliche gemeinsame Sitzung des Umweltrats mit dem Umweltbeirat statt. Der inhaltliche Schwerpunkt lag auf dem Thema „Bionahrungsmittel – wohin geht der Trend: Naturkostladen, Biosupermarkt oder Discounter“. Einschätzungen der weiteren Entwicklung und Abgrenzung zu bedenklichen Trends wurden genauso thematisiert wie das Spannungsverhältnis von energetischer Biomassenutzung zur Nahrungsmittelproduktion. Als Beispiel diente die Beteiligung der UmweltBank an der Naturata AG. Die UmweltBank kann die Nutzung von Pflanzen zur Energiegewinnung nur dann unterstützen, wenn dies nachhaltig geschieht und nicht in Konkurrenz zur Ernährungssicherheit steht. Darüber hinaus muss Nachhaltigkeit auch insofern gesichert sein, dass durch Importe von Energiepflanzen oder -ölen keine schädigende Wirkung auf die Welternährungssituation ausgeht. Ein weiterer Diskussionspunkt war die Situation der UmweltBank in der Finanzkrise. Durch die grundsätzlich nachhaltige Form des Bankgeschäfts und die Balance aus Kundeneinlagen und umweltzentrierten Darlehen, verzeichnete die UmweltBank in erster Linie positive Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise auf das Geschäft.
Zusammenfassend bestätigt der Umweltrat mit diesem Bericht, dass er sich im Jahr 2008 erneut ein umfassendes Bild von der Kreditvergabe- und Förderpraxis der UmweltBank machen konnte. Die UmweltBank hat mit den Geldern ihrer Kunden satzungsgemäß ausschließlich umweltfreundliche Projekte finanziert bzw. gefördert und die ihren Anlegern gegebene Umweltgarantie eingehalten. Selbst das Depot A als Liquiditätsreserve kann aus Nachhaltigkeitssicht insgesamt leicht positiv bewertet werden.
Der Umweltrat dankt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der UmweltBank für ihren engagierten Einsatz für Umwelt und Klima.
Nürnberg, den 15. Mai 2009
für den Umweltrat:
Burkard Schulze Darup (Vorsitzender) |